Wir haben diese Behauptung geprüft: Stimmt es, dass

eine neu veröffentlichte Umfrage des Wall Street Journal zeigt, dass Volkswirte die hohen Kreditkosten als dauerhafte Belastung und nicht als vorübergehende Reaktion auf die Energiepreise betrachten?

Bestätigt

Umfrageergebnisse belegen den Konsens, dass die erhöhten Renditen auf hartnäckigen strukturellen Faktoren beruhen und nicht auf einem flüchtigen Energieschock

Märkte

Volkswirte erwarten dauerhaft hohe US-Kreditzinsen

Eine Umfrage des Wall Street Journal zeigt, dass Ökonomen die hohen Renditen von US-Staatsanleihen als langfristige Belastung für die Wirtschaft einstufen.

Veröffentlicht
NRB — News Republic Brigade

Die Geschichte geht weiter

Das Wesentliche

Die vom Wall Street Journal befragten Volkswirte warnen vor dauerhaft hohen US-Anleiherenditen, die Kreditnehmer über längere Zeit belasten und nicht mit fallenden Energiepreisen verschwinden werden, was die Zinserwartungen an den globalen Anleihe-, Hypotheken- und Aktienmärkten grundlegend verändert.

Die Kernpunkte

  • Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen schloss vor dem Feiertag bei 5,24 Prozent.
  • Zweijährige US-Papiere notierten bei 4,80 Prozent, was einer Zinsdifferenz von 44 Basispunkten entspricht.
  • Laut einer Umfrage des Wall Street Journal stufen Ökonomen die hohen Renditen als strukturelle Belastung ein.
  • US-Aktien-Futures stiegen angesichts nachgebender Ölpreise um 0,3 Prozent.
  • Der US-Dollar-Index hielt sich mit 102,21 Punkten in der Nähe eines 17-Monats-Hochs.

Ausgewählte Renditen von US-Staatsanleihen

%
4,8%
5,24%
2-jährige Rendite10-jährige Rendite

Der BefundDie langfristigen Zinsen für zehnjährige Papiere liegen um 44 Basispunkte über den Renditen zweijähriger Titel.

  • Die Grafik zeigt die Renditen der richtungsweisenden zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen zum Handelsschluss der Kassamärkte am 9. Oktober.
  • Treasury-Rendite — die effektive jährliche Verzinsung von Schuldtiteln der US-Regierung
  • Diese Referenzzinsen bilden das fundamentale Preisniveau für Hypotheken, Unternehmenskredite und Staatsanleihen in der gesamten Wirtschaft.

Aus dem Tagebuch des Redakteurs

Sobald die Märkte erkennen, dass hohe Kreditkosten auf staatlicher Verschuldung und zäher Inflation beruhen statt auf schwankenden Ölpreisen, stoßen kurzfristige Kurserholungen rasch an ihre Grenzen.

Wer beteiligt ist

  • Wall Street Journal

    führende US-Wirtschaftszeitung

    will → den Expertenkonsens zur makroökonomischen Lage und Geldpolitik erfassen und veröffentlichen

  • Volkswirte

    vom WSJ befragte Ökonomen aus Wissenschaft, Bankensektor und Privatwirtschaft

    will → verlässliche Prognosen zu Leitzinsen, Wachstum und Inflation liefern

  • Federal Reserve

    Zentralbanksystem der Vereinigten Staaten

    will → Inflation und Finanzstabilität über die Steuerung der Leitzinsen kontrollieren

  • Internationale Finanzmärkte

    weltweite Anleger, Aktienhändler und Anleihegläubiger

    will → Schuldtitel bewerten und Portfolios an veränderte Zinnerwartungen anpassen

Kurz gefasst

Die Kreditaufnahme in den USA und an den internationalen Finanzmärkten dürfte für Privathaushalte wie für Unternehmen auf absehbare Zeit teuer bleiben. Aus der anfänglichen Zinsbelastung wird nach Einschätzung führender Volkswirte ein dauerhafter Wachstumsdämpfer.

Statt einer schnellen Entlastung zeichnet sich eine anhaltende Straffung ab: Hypothekenzinsen, Unternehmenskredite und weltweite Finanzierungen verharren auf hohem Niveau.

Hintergrund ist die wachsende Überzeugung von Ökonomen, dass die Zinsen strukturell verankert sind. Eine hartnäckige Kerninflation, die hohe Staatsverschuldung der USA und der restriktive Kurs der US-Notenbank Federal Reserve verhindern spürbare Zinssenkungen selbst dann, wenn die Rohölpreise nachgeben.

Gemeldet von: US-Wirtschaftsbarometer · 12. Oktober 2026

Die Vorgeschichte

Wie es sich entwickelte

01

Renditen von US-Staatsanleihen verharren auf Mehrmonatshochs

2026-10-09 – 2026-10-09

Vor dem US-Feiertag Columbus Day schloss der Handel mit US-Staatsanleihen, die weltweit als Richtschnur für Kreditzinsen dienen, mit unverändert hohen Renditen. Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries lag bei 5,24 Prozent, während die zweijährigen Papiere bei 4,80 Prozent notierten. Der Abstand zwischen beiden Laufzeiten betrug damit 44 Basispunkte. Dieses Zinsniveau bildete die Ausgangslage für die kurz darauf veröffentlichte Umfrage unter privaten Ökonomen zu den langfristigen Aussichten.

1 Quelle
02

Ökonomen stellen sich auf dauerhaft teure Kredite ein

2026-10-12 – 2026-10-12

Während die US-Kassamärkte für Anleihen am Bundesfeiertag geschlossen blieben, veröffentlichte das Wall Street Journal seine vierteljährliche Umfrage. Die befragten Volkswirte rechnen demnach damit, dass die hohen Treasury-Renditen anhalten und die wirtschaftliche Dynamik spürbar dämpfen werden. An den Aktienmärkten legten die Futures zwar um 0,3 Prozent zu, gestützt durch sinkende Rohölpreise. Ein fester US-Dollar-Index, der mit 102,21 Punkten nahe einem 17-Monats-Hoch verharrte, verdeutlichte jedoch, dass die Finanzmärkte von einer anhaltend restriktiven Geldpolitik statt von raschen Zinsschritten nach unten ausgehen.

2 Quellen

Wo die Dinge stehen

Unter Ökonomen gilt es mittlerweile als gesichert, dass die hohen Anleiherenditen das neue wirtschaftliche Normal darstellen und kein flüchtiges Begleitphänomen schwankender Ölpreise sind. Wegen des Feiertags am 12. Oktober blieben die Kassamärkte geschlossen, sodass die Kurse der US-Staatsanleihen zunächst auf dem Schlussstand vom Freitag verharren.

Die Aufmerksamkeit der Investoren richtet sich nun auf die Wiederaufnahme des Handels am 13. Oktober, die anstehenden US-Verbraucherpreisdaten sowie geplante Auftritte von Vertretern der Federal Reserve. Diese Signale werden darüber entscheiden, ob die Renditen neue Höchststände markieren oder sich auf dem aktuellen Niveau einpendeln.

Quellen