UNEP published a dedicated assessment explicitly declaring exceeding 1.5C unavoidable.
UN-Umweltprogramm erklärt Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze für unausweichlich
Vor einer späteren Absenkung der globalen Temperaturen wird die Pariser Klimaschwelle laut einem Grundsatzbericht durchbrochen.
Das Wesentliche
Das UN-Umweltprogramm hat eingeräumt, dass die Erwärmung wegen unzureichender Emissionssenkungen in den kommenden Jahren unausweichlich über 1,5 Grad Celsius steigen wird. Die internationale Klimapolitik vollzieht damit einen Kurswechsel: Statt eine Überschreitung abzuwenden, geht es nun darum, die Temperaturspitze bei maximal 1,8 Grad Celsius zu deckeln und das Niveau später wieder abzusenken. Forscher betonen jedoch, dass großskalige CO2-Entnahme weder rasche Einschnitte bei fossilen Energien und Methan ersetzen noch irreversible Schäden wie abschmelzende Eisschilde und den Meeresspiegelanstieg rückgängig machen kann.
Die Kernpunkte
- UN-Umweltprogramm räumt erstmals offiziell ein, dass ein Überschreiten der 1,5-Grad-Schwelle in den kommenden Jahren unvermeidbar ist.
- Vorgestellter Fahrplan verlangt eine Begrenzung der Temperaturspitze auf höchstens 1,8 Grad Celsius vor Beginn einer Absenkung.
- Für jedes Zehntelgrad Temperaturrückgang müssen der Atmosphäre rund 220 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entzogen werden.
- Internationale Verhandlungsdelegationen beraten im November 2026 auf einer Konferenz in Peking über die neue Überschreitungs-Grundlage.
Aus dem Tagebuch des Redakteurs
Die Anerkennung einer Temperaturüberschreitung verlagert das klimapolitische Ziel von der reinen Vermeidung hin zur nachträglichen Wiederherstellung, doch technische Kühlung kann bereits eingetretene ökologische Verluste nicht wieder ungeschehen machen.
Wer beteiligt ist
United Nations Environment Programme
Umweltprogramm der Vereinten Nationen zur Koordinierung globaler Umweltpolitik und Abkommen
will → Will die internationalen Klimaverhandlungen auf ein Modell aus Überschreitung, Höchststand und Rückkehr ausrichten
Inger Andersen
Exekutivdirektorin des UN-Umweltprogramms
will → Will das 1,5-Grad-Ziel als langfristige Vorgabe über eine spätere Absenkung wahren statt aufgeben
Carl Schleussner
Hauptautor des Berichts und Forscher am österreichischen Institut IIASA
will → Strebt weltweit koordinierte Minderungen, Anpassungspläne und Strategien zur Temperaturabsenkung an
Debra Roberts
Südafrikanische Wissenschaftlerin und Mitautorin des UN-Überschreitungsberichts
will → Will internationale Klimaverhandler auf das unausweichliche Reißen der Temperaturschwelle vorbereiten
Jasper Inventor
Stellvertretender Programmdirektor der Umweltorganisation Greenpeace International
will → Will verhindern, dass Großemittenten die Überschreitung als Vorwand für verzögerte Emissionssenkungen nutzen
Small Island Developing States
Von steigenden Meeresspiegeln bedrohte kleine Inselentwicklungsländer
will → Fordern das strikte Festhalten an der 1,5-Grad-Grenze, um den Untergang ihrer Staatsgebiete abzuwenden
Kurz gefasst
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen hat erstmals offiziell eingeräumt, dass die weltweite Erwärmung die Schwelle von 1,5 Grad Celsius in den kommenden Jahren unausweichlich überschreiten wird. Damit verliert das bisherige Leitprinzip der internationalen Klimadiplomatie, ein Reißen dieser Pariser Zielmarke unter allen Umständen abzuwenden, seine Grundlage. Die Staatengemeinschaft steht vor einem strategischen Kurswechsel: Das Hauptaugenmerk gilt nun der Begrenzung der Temperaturspitze auf unter 1,8 Grad Celsius, bevor eine spätere Rückkühlung greifen kann.
Dass die globale Durchschnittstemperatur die Marke in naher Zukunft durchbrechen wird, ist die direkte Folge anhaltender Rekordemissionen und unzureichender Einsparungen. Um den Anstieg danach wieder unter 1,5 Grad Celsius zu drücken, müssen Industrie und Staaten den Ausstoß von Treibhausgasen aus fossilen Brennstoffen sowie Methan drastisch senken, Netto-Null-Emissionen erreichen und dauerhaft netto-negative Emissionen erzielen. Dies setzt den massiven Einsatz von Technologien zur Kohlendioxid-Entnahme voraus.
Ob eine solche Umkehr gelingt, ist jedoch ungewiss. Verfahren zur mechanischen CO2-Abscheidung wurden bislang nie im planetaren Maßstab erprobt. UN-Forscher warnen zudem davor, dass technische Lösungen rasche Emissionsminderungen nicht ersetzen können und dauerhafte Schäden wie der Anstieg des Meeresspiegels oder das Abschmelzen der Eisschilde unumkehrbar bleiben.
Wie es sich entwickelte
UN-Bericht warnt vor unausweichlichem Reißen der Temperaturschwelle
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen hat in seinem Grundsatzbericht „Limiting Overshoot: Navigating exceedance of 1.5°C and pathways towards return“ gewarnt, dass die Erwärmung infolge schleppender Minderungen und weltweiter Rekordemissionen binnen weniger Jahre über 1,5 Grad Celsius steigen wird. Internationale Medien wie The Straits Times und The Washington Post berichteten am frühen 2. September über das offizielle Eingeständnis der UN-Behörde, wonach sich die Schwelle auf kurze Sicht nicht mehr halten lässt. Damit haben frühere Bemühungen, ein Überschreiten vollständig zu verhindern, ihr Ziel verfehlt.
Wissenschaft beziffert Anforderungen und Risiken einer Temperaturumkehr
Der Bericht zwingt Politik und Zivilgesellschaft zur Auseinandersetzung mit den technischen Voraussetzungen und Gefahren einer Schwellenüberschreitung. Den Berechnungen der Forscher zufolge muss der Erwärmungshöchststand bei höchstens 1,8 Grad Celsius gekappt werden, während Methanemissionen vollständig entfallen müssen. Zudem sind für jedes Zehntelgrad Rückkühlung rund 220 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen. Umweltorganisationen äußerten zugleich die Sorge, dass Staaten und Unternehmen mit hohen Emissionen die theoretische CO2-Entnahme als Rechtfertigung nutzen könnten, um fossile Brennstoffe länger zu nutzen – ungeachtet der Tatsache, dass Eisschmelze und Meeresspiegelanstieg dauerhafte Folgen bleiben.
Wo die Dinge stehen
Das Überschreiten der Schwelle von 1,5 Grad Celsius in den kommenden Jahren bildet nun die offizielle Arbeitsgrundlage des UN-Umweltprogramms, gestützt auf Modellrechnungen von Forschungsinstituten wie dem IIASA. Tief greifende Differenzen bestehen weiterhin darüber, ob sich Technologien zur CO2-Entnahme überhaupt im erforderlichen Maßstab errichten lassen und ob die temporäre Überschreitung Kipppunkte im Erdsystem auslöst, darunter den Kollaps polarer Eisschilde oder das Absterben des Amazonas-Regenwalds. Verhandlungsführer bereiten sich nun darauf vor, die Phase der Temperaturüberschreitung im Vorfeld der Überschreitungskonferenz im November 2026 in Peking in nationale Klimaziele und Finanzierungsmechanismen zu überführen.