Wir haben diese Behauptung geprüft: Stimmt es, dass

Schweden eine arktische Startanlage ausbaut, um orbitale Satellitenmissionen vom europäischen Festland aus durchzuführen?

Bestätigt

Die Swedish Space Corporation hat die Startrampe Complex 3 im Raumfahrtzentrum Esrange fertiggestellt und Firefly Aerospace für zwei Orbitalflüge vom europäischen Festland unter Vertrag genommen

Weltraum

Schweden ebnet mit Startvertrag den Weg aus Europas Weltraum-Engpass

Das staatliche Raumfahrtzentrum Esrange sichert sich erste kommerzielle Orbitalflüge, während Europa den Wegfall russischer Trägerraketen kompensieren muss.

Veröffentlicht
NRB — News Republic Brigade

Das Wesentliche

Schweden hat sein 60 Jahre altes suborbitales Testgelände Esrange in der Arktis zu Kontinentaleuropas erstem einsatzfähigen Weltraumbahnhof für Orbitalflüge ausgebaut und zwei Satellitenmissionen mit dem US-Raketenbauer Firefly Aerospace vereinbart, die künftig direkt von europäischem Boden in polare Umlaufbahnen starten.

Die Kernpunkte

  • Die Swedish Space Corporation hat mit dem Launch Complex 3 in Kiruna oberhalb des Polarkreises die erste orbitale Raketenstartrampe auf dem europäischen Festland fertiggestellt und in Betrieb genommen.
  • Firefly Aerospace hat einen verbindlichen Vertrag mit der Swedish Space Corporation über zwei orbitale Starts seiner Alpha-Rakete vom schwedischen Arktis-Gelände unterzeichnet.
  • Europas wiederverwendbare Trägerraketen-Demonstrationsstufe Themis hat im Rahmen einer Testkampagne der ArianeGroup Triebwerks- und Flugproben in Esrange absolviert.
  • Die Swedish Space Corporation hat sich mit dem Rüstungskonzern Saab zusammengeschlossen, um reaktionsschnelle Startkapazitäten in der Arktis für militärische Einsätze zu entwickeln.

Aus dem Tagebuch des Redakteurs

Der Bau einer Startrampe ist nur die halbe Miete: Echte weltraumpolitische Souveränität beginnt erst dann, wenn zahlende Raketen verlässlich von ihr abheben.

Wer beteiligt ist

  • Swedish Space Corporation (SSC)

    Staatliches Raumfahrtunternehmen und Betreiber des Raumfahrtzentrums Esrange

    will → Aufbau des führenden europäischen Festland-Knotenpunkts für Satellitenstarts und Raketentests

  • Firefly Aerospace

    US-amerikanischer Raketenbauer und kommerzieller Startdienstleister für Satelliten

    will → Durchführung von zwei orbitalen Satellitenmissionen von europäischem Boden aus

  • ArianeGroup / Europäische Weltraumorganisation (ESA)

    Europäischer Luft- und Raumfahrtkonzern und zwischenstaatliche Raumfahrtagentur

    will → Erprobung wiederverwendbarer Raketenstufen zur Sicherung eines unabhängigen europäischen Zugangs zum All

  • Europäische Union und schwedische Regierung

    Europäische und nationale Spitzenpolitik zur Finanzierung der weltraumpolitischen Autonomie

    will → Gewährleistung rascher, krisenfester und souveräner Startkapazitäten direkt auf dem Kontinent

Kurz gefasst

Europa steht unmittelbar davor, erstmals Satelliten direkt vom kontinentalen Festland in eine Erdumlaufbahn zu befördern. Damit rückt das Ende eines strategischen Engpasses näher, der den Kontinent bislang von eigenständigen Startplätzen im Inland abschnitt. Der Durchbruch versetzt eine arktische Basis im Norden Schwedens in die Lage, orbitale Missionen für Klein-Satelliten anzubieten – als Alternative zu ausländischen Weltraumbahnhöfen und Übersee-Standorten wie Französisch-Guayana.

Sobald die behördlichen Genehmigungen vorliegen und die letzten technischen Überprüfungen abgeschlossen sind, soll die erste kommerzielle Rakete von schwedischem Boden abheben. Die Aussichten dafür stehen gut: Die Startrampe ist fertig errichtet, Triebwerkstests laufen, und ein verbindlicher Startvertrag ist unterzeichnet. Wann der Flug tatsächlich stattfindet, hängt jedoch vom grünen Licht der Regulierungsbehörden ab.

Der Ausbau schließt eine empfindliche Sicherheitslücke, die durch den Verlust des Zugangs zu russischen Sojus-Raketen und Verzögerungen beim europäischen Schwerlastträger Ariane 6 entstanden war. Die staatliche Swedish Space Corporation baute ihr 60 Jahre altes Forschungszentrum Esrange nördlich des Polarkreises zu einem vollwertigen Orbital-Weltraumbahnhof um, erprobte Prototypen wiederverwendbarer Raketen und schloss kommerzielle Vereinbarungen, um der Europäischen Union einen souveränen Zugang zum All zu sichern.

Wie es sich entwickelte

01

Staatsspitzen weihen erste orbitale Startrampe auf europäischem Festland ein

2023-01-13 – 2023-01-13

Schweden hat mit der Inbetriebnahme des Launch Complex 3 im Raumfahrtzentrum Esrange nahe Kiruna die erste einsatzbereite orbitale Startrampe auf dem europäischen Kontinent geschaffen. König Carl XVI. Gustaf, Ministerpräsident Ulf Kristersson und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eröffneten die Anlage gemeinsam. Die arktische Basis wurde damit für vertikale Orbitalstarts von Klein-Satelliten sowie für Tests wiederverwendbarer Raketenstufen gerüstet.

1 Quelle
02

Arktis-Basis baut Triebwerksprüfstände und Polarnavigationssysteme aus

2023-01-13 – 2026-08-28

Die neue Startrampe zog rasch industrielle Testprogramme an und machte das entlegene Testgelände zum Schauplatz für Europas nächste Raumfahrt-Generation. ArianeGroup wählte Kiruna für statische Triebwerkszündungen und Flugerprobungen von Themis, dem Prototyp einer wiederverwendbaren Trägerstufe der Europäischen Weltraumorganisation. Um künftige Orbitalmissionen zu begleiten und das Weltraumwetter zu überwachen, errichtete und eröffnete die Swedish Space Corporation zudem das optische Observatorium KEOPS und erweiterte ihre Satelliten-Bodenstationen.

2 Quellen
03

Schwedisches Raumfahrtzentrum besiegelt Orbitalvertrag und Verteidigungspakt

2026-09-09 – 2026-09-24

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Infrastruktur- und Triebwerkstests gewann der arktische Weltraumbahnhof erste zahlende Kunden für den regulären Orbitalbetrieb. Die Swedish Space Corporation unterzeichnete einen verbindlichen Vertrag mit dem US-Unternehmen Firefly Aerospace über zwei Orbitalflüge mit dessen Alpha-Rakete von Kiruna aus. Pünktlich zum 60-jährigen Bestehen vereinbarte das Zentrum zudem eine Kooperation mit dem Rüstungskonzern Saab, um reaktionsschnelle Raketenstarts im arktischen Raum in teilstreitkraftübergreifende Militäroperationen einzubinden.

3 Quellen

Wo die Dinge stehen

Die Startrampe Launch Complex 3 ist baulich vollendet und einsatzbereit. Sie dient bereits für Triebwerkstests, Flugproben wiederverwendbarer Raketen sowie die Satellitenverfolgung über dem Polargebiet. Der erste orbitale Satellitenstart ist durch die Vereinbarung über zwei Missionen mit Firefly Aerospace vertraglich gesichert; nun stehen die Integration der Nutzlasten und die Festlegung des Zeitplans an.

Bevor Firefly ein festes Startdatum für den Erstflug der Alpha von Kiruna ansetzen kann, muss die schwedische Raumfahrtbehörde noch die offiziellen Startlizenzen erteilen.

Quellen