Wir haben diese Behauptung analysiert: Stimmt es, dass
Japan im September 2026 einen Klimabeobachtungssatelliten der nächsten Generation gestartet hat?

Die Behauptung eines Starts eines Klimasatelliten mit einer H3-Rakete im September 2026 wird durch Unterlagen der JAXA, von Mitsubishi Heavy Industries und des Umweltministeriums widerlegt: GOSAT-GW startete am 29. Juni 2025 an Bord der letzten H-IIA, während Japans jüngster H3-Start einen Navigationssatelliten ins All brachte.
Japans Klimasatellit aus dem Vorjahr liefert präzise Daten aus dem All
Berichte über einen Raketenstart im September 2026 beruhen auf einer Verwechslung mit einer neuen Trägerrakete.
Das Wesentliche
Japan überwacht das Weltklima und Wetterlagen mit einem Erdbeobachtungssatelliten, der bereits im Juni 2025 gestartet wurde – und nicht erst im September 2026, wie Falschmeldungen im Netz nahelegen. Die Sonde GOSAT-GW umkreist die Erde in rund 666 Kilometern Höhe, erfasst Treibhausgase und speist Feuchtigkeitsdaten direkt in die täglichen Wettervorhersagen ein. Berichte im Netz verwechselten die Mission mit Flügen der neueren H3-Rakete, die im August einen Navigationssatelliten ins All brachte, im September jedoch keinen Klimasatelliten transportierte.
Die Kernpunkte
- GOSAT-GW startete am 29. Juni 2025 beim letzten Flug einer japanischen H-IIA-Rakete von Tanegashima.
- Japans Wetterdienst speist die Wasser- und Niederschlagsdaten seit dem 8. September 2026 direkt in seine Prognosen ein.
- Vollständig ausgewertete Messwerte zu Kohlendioxid, Methan und Stickstoffdioxid sollen um Juli 2027 vorliegen.
- Der tatsächliche H3-Start vor den Falschmeldungen brachte am 11. August 2026 den Navigationssatelliten Michibiki Nr. 7 ins All.
Aus dem Tagebuch des Redakteurs
Technologische Fortschritte dringen in der Öffentlichkeit oft erst mit Verzögerung durch – und verleiten dazu, den Beginn der regulären Datennutzung mit einem neuen Raketenstart zu verwechseln.
Wer beteiligt ist
Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA)
Japans Raumfahrtagentur und Missionsleiter
will → Kontinuierliche Erdbeobachtung sichern und Wetter- sowie Katastrophendienste mit Daten versorgen
Japanisches Umweltministerium
Umweltministerium Japans
will → Unabhängige Gasmessungen zur Überprüfung von Klimazusagen gewinnen
National Institute for Environmental Studies (NIES)
Japans nationales Umweltforschungsinstitut
will → Spektraldaten aufbereiten und verlässliche Treibhausgaskarten für die Wissenschaft bereitstellen
Japan Meteorological Agency (JMA)
Japans nationaler Wetterdienst
will → Mikrowellenbeobachtungen in Computermodelle einspeisen und tägliche Niederschlagsprognosen verbessern
Mitsubishi Heavy Industries (MHI)
Japanischer Raumfahrt- und Rüstungskonzern sowie Startdienstleister
will → Die H-IIA-Raketenreihe erfolgreich abschließen und den Startbetrieb auf das Nachfolgemodell H3 überführen
NASA und JAMSTEC
US-Raumfahrtbehörde und japanische Meeresforschungsbehörde
will → Satellitenmessungen durch Flugzeugmessungen an realen Abgasfahnen abgleichen
Kurz gefasst
Japan erfasst Treibhausgase und Unwetterfronten derzeit mit einem modernen Erdbeobachtungssatelliten, der bereits seit Juni 2025 die Erde umkreist. Die Messungen aus dem Orbit verbessern schon heute die täglichen Wetterprognosen und ermöglichen eine unabhängige Überprüfung lokaler Industrie- und Abgasquellen. Behauptungen in sozialen Netzwerken, Japan habe diesen Klimasatelliten erst im September 2026 mit einer H3-Rakete gestartet, treffen nicht zu: Der Satellit war längst im Einsatz, während der jüngste Flug der H3-Rakete einen Navigationssatelliten ins All brachte.
Als nächster entscheidender Schritt ist für Juli 2027 die Veröffentlichung vollständig ausgewerteter Daten zu Kohlendioxid, Methan und Stickstoffdioxid über einzelnen Industriezentren geplant.
Dieser Zeitplan gilt als realistisch, da der Satellit seine technischen Funktionstests bestanden, Abgleichflüge in der Atmosphäre abgeschlossen und erste Rohdaten bereits an die Wissenschaft übergeben hat.
Wie es sich entwickelte
Japan startet neuen Klimasatelliten
Der Satellit startete tatsächlich bereits Mitte 2025 und nicht erst Ende 2026. Mitsubishi Heavy Industries brachte GOSAT-GW vom Raumfahrtzentrum Tanegashima im Südwesten Japans ins All – beim 50. und letzten Flug der H-IIA-Trägerrakete. Berichte begleiteten den Abschied von diesem Modell und verwiesen darauf, dass künftige schwere Nutzlasten mit der neueren H3-Rakete befördert würden. Dieser Generationswechsel bei den Trägersystemen dürfte die späteren Falschmeldungen im Netz begünstigt haben, auch wenn der genaue Ursprung der Gerüchte über einen Start im September 2026 ungeklärt bleibt.
Erreichen des Orbits und Entfalten der Solarmodule
Der planmäßige Aufstieg widerlegte die späteren Gerüchte im Netz bereits im Ansatz: Die Rakete war eine H-IIA, das Jahr war 2025 und die Fracht erreichte wohlbehalten den Weltraum. Im Orbit entfalteten die Flugingenieure die Solarzellenflächen zur Stromversorgung, lösten die Arretierung der Zielspiegel und leiteten das Aufwärmen der Sensoren ein.
Erste Funktionstests der Sensoren im Orbit
Nach der Stabilisierung nahm der Satellit seine Arbeit als Doppelobservatorium auf. Der Gasscanner TANSO-3 löste das frühere punktuelle Messverfahren ab: Er kann nun großflächige Korridore erfassen oder sich gezielt auf 90 Kilometer breite Industrieareale konzentrieren. Parallel dazu testete das rotierende AMSR3-Radiometer fünf neue Frequenzbänder, mit denen sich Schneefall und Feuchtigkeit in hohen Atmosphärenschichten deutlich genauer als bisher aufspüren lassen.
Forschungsflugzeuge überprüfen Satellitendaten vor Ort
Um die Verlässlichkeit der orbitalen Messwerte abzusichern, glich Japan die Beobachtungen mit Messflügen in der Atmosphäre ab. Wissenschaftler kartierten Testfahnen über Ballungsräumen, indem sie Spektralbänder für Verbrennungsrückstände kombinierten. Im März 2026 flogen Forschungsteams aus Japan und den USA mit speziell ausgerüsteten Messflugzeugen durch städtische Luftschichten, um reale Vergleichsproben zu sammeln, bevor die Satellitendaten für offizielle Emissionsbilanzen herangezogen werden.
Erste Datenfreigabe und ein Start mit anderer Fracht
Im Sommer 2026 wurden erste Messdaten weltweit zugänglich gemacht. Die Aufzeichnungen zu Wasser- und Schneevorkommen gingen Ende Juni an die Öffentlichkeit und schlossen bisherige Datenlücken in polarnahen Breiten; Rohdaten zu Treibhausgasen folgten im Juli. Etwa zur selben Zeit startete Japan von Tanegashima aus eine H3-Rakete – an Bord befand sich jedoch der Navigationssatellit Michibiki Nr. 7 und kein Klimasensor.
Wettermodelle nutzen die Signale im Regelbetrieb
Den wichtigsten praktischen Meilenstein erreichte der Satellit Anfang September 2026: Japans Wetterbehörde begann damit, die Mikrowellendaten direkt in ihre täglichen Computermodelle einzuspeisen. Wochen später kursierten im Internet Berichte, eine H3-Rakete habe soeben einen Klimasatelliten gestartet. Diese Behauptung entbehrte jeder Grundlage: Es gab keinen solchen Start, und der reale Satellit überwachte zu diesem Zeitpunkt bereits tropische Wirbelstürme über dem Pazifik.
Wo die Dinge stehen
Gesichert ist: Der rund 2,6 Tonnen schwere Satellit GOSAT-GW umkreist die Erde in etwa 666 Kilometern Höhe alle drei Tage und arbeitet seit Oktober 2025 im Regelbetrieb. Ausgestattet mit dem Gasscanner TANSO-3 und dem Mikrowellenradiometer AMSR3 liefert er Daten, die Japans Wetterdienst seit dem 8. September 2026 für seine computergestützten Vorhersagen nutzt.
Offizielle Startprotokolle belegen, dass am 24. September 2026 kein japanischer Klimasatellit gestartet wurde; der vorangegangene Flug einer H3-Rakete am 11. August 2026 beförderte einen Navigationssatelliten. Die entscheidende Bewährungsprobe für GOSAT-GW steht nun für Mitte 2027 an: Dann wird sich anhand der vollständig kalibrierten Daten zeigen, ob sich die Emissionen einzelner Städte und Industrieanlagen aus dem All lückenlos und unabhängig nachweisen lassen.