Wir haben diese Behauptung analysiert: Stimmt es, dass
Großbritannien 90 Millionen Pfund bereitgestellt hat, um Rechenzentren an Wärmenetze anzuschließen?

Das Paket für Wärmenetze über 90 Millionen Pfund ist bestätigt, doch es handelt sich nicht um ein 90-Millionen-Pfund-Programm für den Anschluss von Rechenzentren: Kein Rechenzentrum wird als direkter Zuschussempfänger genannt, die meisten geförderten Projekte nutzen andere Wärmequellen, und Bradford ist das einzige neu geförderte Netz mit einem konkret benannten geplanten Rechenzentrum als Wärmequelle.
Großbritannien investiert in Wärmenetze statt in Rechenzentren
Rund 90 Millionen Pfund an staatlichen Fördergeldern fließen in saubere Nahwärmeprojekte, Gerüchte über eine Anbindung von Serverparks weisen die Behörden jedoch zurück.
Das Wesentliche
Großbritannien fördert den Bau isolierter Fernwärmenetze mit rund 90 Millionen Pfund. Berichte, wonach die Gelder den Anschluss von Rechenzentren finanzieren, sind jedoch falsch. Das Förderprogramm finanziert stattdessen die Abwärmenutzung einer Müllverbrennungsanlage, die Förderung warmen Grundwassers in London sowie Großwärmepumpen in nordenglischen Städten und die Sanierung von 76 älteren Wohnsiedlungsnetzen.
Die Kernpunkte
- Großbritannien vergibt rund 90 Millionen Pfund für fünf neue Wärmenetze und 76 Sanierungsvorhaben.
- Der größte Einzelzuschuss von 41,63 Millionen Pfund fließt in die Nutzung von Dampf aus einer Londoner Müllverbrennungsanlage.
- Offizielle Unterlagen bestätigen, dass kein Rechenzentrum direkte Mittel aus der September-Förderrunde erhält.
- Das Ausbauprogramm soll bis 2030 die technische Kapazität für mehr als 750.000 Haushalte schaffen.
Wichtigste Fördermittel für Wärmenetze
Millionen PfundDer BefundDer überwiegende Teil der Neubauförderung fließt in Londoner Infrastrukturprojekte.
- Die Grafik zeigt die fünf größten staatlichen Bauschussvergaben in England vom September 2026.
- Die Mittelverteilung belegt, dass Großbritannien öffentliche Gelder vorrangig in erprobte Abfall- und Grundwasserkonzepte lenkt statt in Anbindungen von Rechenzentren.
Aus dem Tagebuch des Redakteurs
Die öffentliche Debatte greift gerne futuristische Szenarien wie das Heizen mit Serverwärme auf, während die tatsächlichen Infrastrukturinvestitionen weiterhin auf erprobter Ingenieurtechnik wie Müllverbrennungsanlagen und Großwärmepumpen beruhen.
Wer beteiligt ist
UK Department for Energy Security and Net Zero
Das britische Ministerium für Energiesicherheit und Netto-Null-Emissionen
will → Fossile Gasthermen in Wohnungen durch gemeinsame, CO2-arme Heißwassernetze in Städten ablösen
Cory Group and RHN Developments
Londoner Entsorgungs- und Energieentwickler in Partnerschaft mit dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall
will → Mit dem Dampf aus der Londoner Hausmüllverbrennung Hunderttausende Wohnungen heizen
1Energy and Bradford Energy Network
Kommerzieller Infrastrukturentwickler des zentralen Wärmenetzes in Bradford
will → Ein stadtweites, isoliertes Heißwasserleitungsnetz für Krankenhäuser, Schulen und Wohnungen verlegen
Triple Point Heat Networks Investment Management
Privater Fondsverwalter des britischen Förderprogramms für Wärmenetze
will → Bauprojekte prüfen und staatliche Zuschüsse an wirtschaftliche Nahwärmenetze vergeben
Deep Green
Britischer Rechenzentrumsbetreiber mit Baugenehmigung für einen Serverstandort in Bradford
will → Hochleistungsrechner betreiben und überschüssiges Kühlwasser in das kommunale Wärmenetz einspeisen
The Portman Estate
Historische Londoner Immobiliengesellschaft und Projektträger am Marble Arch
will → Natürlich erwärmtes Grundwasser tief unter London für ein lokales Fernwärme- und Fernkältenetz fördern
EnergiRaven and the Association for Decentralised Energy
Branchenverbände der britischen Wärme- und Ökostromwirtschaft
will → Gesetzliche Vorgaben durchsetzen, damit wachsende Rechenzentren ihre Abwärme in kommunale Netze leiten müssen
Kurz gefasst
Großbritannien fördert den Neu- und Ausbau kommunaler Wärmenetze in England und Wales mit rund 90 Millionen Pfund. Berichte, wonach die staatlichen Mittel vor allem dazu dienten, Abwärme aus Rechenzentren in Privathaushalte zu leiten, treffen nicht zu. Die britische Regierung setzt bei der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung vielmehr auf verlässliche Großtechnik, statt auf künftige Ansiedlungen von Rechenzentren zu warten.
Mit dieser Weichenstellung baut das Land seine nächsten großen Fernwärmenetze voraussichtlich rund um Müllverbrennungsanlagen, Grundwasserquellen und industrielle Großwärmepumpen auf.
Durch die Förderverträge sind die Gelder bis 2030 rechtlich an klassische Industrie- und Umweltwärmequellen gebunden, während Serverfarmen vorerst eine untergeordnete Rolle spielen.
Wie es sich entwickelte
London legt 90 Millionen Pfund schweres Wärmepaket auf
Das britische Energieministerium hat Zuschüsse von rund 90 Millionen Pfund für fünf neue Fernwärmenetze und Modernisierungen an 76 bestehenden Anlagen vergeben. In der ersten Regierungsmitteilung wurden Rechenzentren lediglich als denkbares Beispiel für künftige Wärmequellen genannt. In Onlinediskussionen entstand daraufhin rasch der fehlerhafte Eindruck, London finanziere mit den Fördergeldern direkte Wärmeleitungen aus Serverhallen in Wohnzimmer.
Löwenanteil der Fördermittel fließt nach London
Der Großteil der Gelder ging an Londoner Projekte, die keine Verbindung zu Rechenzentren aufweisen. Für ein Vorhaben am Themseufer wurden 41,63 Millionen Pfund bewilligt, um Dampf aus der Müllverbrennungsanlage in Belvedere zu nutzen; ab 2028 soll das heiße Wasser zunächst auf elektrischen Flussschiffen transportiert werden, bis ein dauerhafter Tunnel fertiggestellt ist. Ein angeschlossenes Leitungsnetz in Bexley und Greenwich erhielt 11,5 Millionen Pfund, während ein 11,4 Millionen Pfund schweres Projekt am Marble Arch im Zentrum Londons natürliche Erdwärme aus tiefen Grundwasserschichten erschließt.
Regionale Netze und Modernisierungen komplettieren die Runde
Die restlichen Gelder für Neubauprojekte flossen in den Norden und die Midlands. Bradford sicherte sich 9,7 Millionen Pfund, um sein zentrales Netz zu einem Krankenhaus, mehreren Schulen und 255 Wohnungen auszubauen, angetrieben zunächst von großen Außenluft-Wärmepumpen. Solihull erhielt 3,98 Millionen Pfund für die Erweiterung seines städtischen Netzes, während 13,3 Millionen Pfund für Rohrsanierungen und technische Überprüfungen an 76 bestehenden Quartiersnetzen bereitgestellt wurden.
Debatte dreht sich um Abwärme aus Rechenzentren
Die öffentliche Diskussion verlagerte sich rasch auf die Frage, ob Serverfarmen für künstliche Intelligenz britische Haushalte beheizen sollten. Ein geplantes Rechenzentrum des Betreibers Deep Green verfügt zwar über die lokale Baugenehmigung für einen späteren Anschluss an das Wärmenetz in Bradford, aus der aktuellen 9,7-Millionen-Pfund-Förderung fließt jedoch kein Geld in diese Verbindung. Die Förderrunde unterscheidet sich damit von einem Projekt in Old Oak und Park Royal aus dem Jahr 2023, bei dem die Regierung 36 Millionen Pfund gezielt dafür bereitstellte, Serverabwärme abzugreifen.
Diskussion hält an, Förderkriterien bleiben unberührt
Auch Ende September hielt sich in Onlinediskussionen die Darstellung, der Staat fördere vor allem Rechenzentren, die offiziellen Vergabeunterlagen blieben davon jedoch unberührt. Kein Serverbetreiber wird darin als Zuschussempfänger geführt. Die fünf staatlichen Bauverträge beschränken sich unverändert auf Müllverbrennungsanlagen, natürliche Grundwasservorkommen und Luftwärmepumpen.
Wo die Dinge stehen
Die britische Regierung investiert die 90 Millionen Pfund in kommunale Leitungsnetze und nicht in private Rechenzentren. Kein Betreiber von Serverhallen erhält Geld aus dieser Förderrunde. Während das geplante Rechenzentrum in Bradford seine Abwärme künftig in das örtliche Netz einspeisen will, decken die staatlichen Mittel Tiefbauarbeiten, Flusstransporte, Wärmepumpen und die Sanierung maroder Bestandsnetze ab.
Das politische Ziel von 750.000 versorgten Haushalten bezieht sich auf langfristige Leitungskapazitäten über mehrere Jahrzehnte und nicht auf kurzfristige Anschlüsse. Die Baugelder können bis 2030 abgerufen werden. Zentrale Meilensteine stehen noch aus: Weder der Anschluss des Rechenzentrums in Bradford noch die Fertigstellung der Londoner Fernwärmetunnel oder der Abschluss der Sanierungen in älteren Wohnanlagen sind bisher terminiert.