German state police will send 15 to 20 specialists to train in Ukraine.
Deutsche Polizei trainiert Drohnenabwehr im Kriegsgebiet
Baden-Württemberg entsendet bis zu 20 Einsatzkräfte in die Ukraine, nachdem ein versuchter Sprengstoffanschlag an einem Frachtflughafen gravierende Sicherheitslücken offenlegte.
Das Wesentliche
In einer Kehrtwende der bisherigen Sicherheitspolitik schickt Deutschland Polizisten zur taktischen Schulung gegen Sabotage, Spionage und Cyberangriffe direkt in die Ukraine. Auslöser war eine sprengstoffbeladene Drohne an einem ukrainischen Frachtflugzeug am Flughafen Leipzig/Halle, die von herkömmlichen zivilen Scannern nicht erkannt wurde. Baden-Württemberg vereinbarte daraufhin in Kiew, 15 bis 20 Beamte an ukrainischen Polizeieinrichtungen in kampferprobten Schutzmethoden ausbilden zu lassen.
Die Kernpunkte
- Baden-Württemberg hat die Entsendung von 15 bis 20 Polizeikräften zur Ausbildung in die Ukraine vereinbart.
- Eine Sprengstoffdrohne an einem Antonow-Frachter am Flughafen Leipzig/Halle legte erhebliche Ortungslücken bei der deutschen Polizei offen.
- Ermittler brachten den vereitelten Sabotageakt am Leipziger Flughafen mit staatlich gesteuerten Verdächtigen aus Russland in Verbindung.
- Vor dem Abschluss des Sicherheitsabkommens musste die deutsche Delegation wegen russischer Angriffe mit Shahed-Drohnen nahe Kiew in Schutzräume fliehen.
Aus dem Tagebuch des Redakteurs
Wenn militärische Angriffsmethoden schneller voranschreiten als die zivile Gefahrenabwehr in Friedenszeiten, müssen Staaten entweder Verwundbarkeiten im Inland hinnehmen oder zivile Einsatzkräfte direkt in Kriegsgebiete schicken, um dort von Fronterfahrungen zu lernen.
Wer beteiligt ist
Manuel Hagel
Innenminister von Baden-Württemberg, der das Ausbildungsabkommen in Kiew aushandelte
will → Will die Fähigkeiten der Landespolizei zur Abwehr von Sabotage und Drohnenangriffen zügig ausbauen
Nationale Polizei der Ukraine
Zivile Strafverfolgungsbehörde für die innere Sicherheit des Landes
will → Will die institutionelle Zusammenarbeit mit westlichen Partnern vertiefen und an der Front erprobte Polizeimethoden weitergeben
Bundeskriminalamt (BKA)
Deutsche Bundesoberbehörde zur Koordinierung der polizeilichen Ermittlungen
will → Will bestehende Ortungslücken bei mobilfunkgesteuerten und frequenzspringenden Sabotagedrohnen schließen
Russischer Militärgeheimdienst (GRU)
Russischer Auslandsmilitärnachrichtendienst, dem Angriffe in ganz Europa zugeschrieben werden
will → Versucht europäische Verkehrsnetze sowie Nachschubbasen für die Ukraine gezielt zu stören
Kurz gefasst
Die Bundesrepublik vollzieht einen beispiellosen Kurswechsel in ihrer Sicherheitspolitik und entsendet eigene Polizeikräfte zur taktischen Weiterbildung direkt in ein aktives Kriegsgebiet. Der Schritt gilt als ungewöhnlich offenes Eingeständnis westlicher Sicherheitsbehörden, dass die eigene Abwehr mit der rasanten Entwicklung hybrider Angriffe im Inland nicht mehr Schritt halten kann.
Durch diese Kooperation dürften deutsche Sicherheitskräfte den Schutz kritischer Infrastrukturen bundesweit grundlegend umstellen und zivile Überwachungsgeräte durch kampferprobte ukrainische Taktiken ersetzen.
Ob sich weitere Bundesländer dem Vorhaben anschließen, gilt derzeit als offen. Dies hängt vor allem davon ab, wie wirksam die Bundesbehörden die neuen Methoden übernehmen können und wie der Schutz der Beamten im Einsatzland gewährleistet wird.
Wie es sich entwickelte
Anschlagsversuch an Leipziger Flughafen deckt Mängel der deutschen Luftüberwachung auf
Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne nahe einem ukrainischen Antonow-Frachtflugzeug am Flughafen Leipzig/Halle sehen deutsche Sicherheitsbehörden Verbindungen zu staatlich gelenkten Akteuren. Der Vorfall offenbarte schwerwiegende technische Lücken bei der polizeilichen Drohnenabwehr: Herkömmliche zivile Scanner konnten das über Mobilfunk gesteuerte Gerät an dem zentralen Frachtdrehkreuz nicht erfassen. Damit steht fest, dass die heimische Verkehrsinfrastruktur Sabotageakten mit militärischer Ausrüstung weitgehend schutzlos gegenübersteht.
Abkommen in Kiew besiegelt neues Ausbildungsmodell
Weil herkömmliche Überwachungsgeräte der Polizei gegen mobilfunkgesteuerte Angreiferdrohnen versagten, reiste Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel mit einer Delegation nach Kiew. Trotz eines akuten Drohnenalarms unterzeichnete Hagel dort eine Vereinbarung mit der Führung der ukrainischen Nationalpolizei, die den Einsatz von 15 bis 20 deutschen Spezialkräften an ukrainischen Ausbildungsstätten vorsieht. Das Abkommen regelt einen wechselseitigen Austausch: Neben Besuchen ukrainischer Teams in Stuttgart absolvieren die deutschen Einsatzkräfte ein praxisnahes Einsatztraining in der Ukraine.
Wo die Dinge stehen
Der Ausbildungsplan zwischen Baden-Württemberg und der ukrainischen Nationalpolizei steht. Nach dem sofortigen Start der Lehrplangestaltung soll die erste Gruppe von 15 bis 20 deutschen Beamten in den kommenden Wochen entsandt werden.
Um die Einsatzkräfte vor gezielten Angriffen zu schützen, bleiben genaue Standorte und Reisezeiten in der Ukraine geheim. Für den Gesamterfolg des Programms wird entscheidend sein, ob sich weitere Bundesländer anschließen und wie reibungslos die Bundesbehörden die ukrainischen Fronterfahrungen in die reguläre polizeiliche Gefahrenabwehr integrieren.