
Official heritage authorities and museum teams confirm the Vratsa and Aquae Calidae discoveries; the precise function of the Thracian structure and a newly announced Perperikon military find remain under study.
Bulgarien stoppt Bauprojekt für antike thrakische Fundstätte
Behörden empfehlen den Erhalt neu entdeckter Steinruinen vor Ort, während landesweit weitere Funde aus der Römerzeit ans Licht kommen.
Das Wesentliche
Bulgarien stellt monumentale antike Steinbauten unter Schutz, die bei Rettungsgrabungen im Zentrum von Wraza entdeckt wurden: Nach dem Willen der Behörden sollen die 2.300 Jahre alten thrakischen Ruinen am Fundort erhalten bleiben und nicht einem privaten Neubau weichen. Die Entscheidung fällt in eine Phase neuer Entdeckungen aus der römischen Kaiserzeit, darunter eine antike Thermalbad-Inschrift am Schwarzen Meer und mutmaßliche Militärausrüstung in den Bergen, die noch auf ihre wissenschaftliche Bestätigung wartet.
Die Kernpunkte
- Ein bulgarisches Expertengremium empfiehlt, die neu entdeckten antiken Steinruinen in Wraza an Ort und Stelle zu erhalten, statt sie zu versetzen.
- Rund 3.000 Bürger unterschrieben einen Appell, um den thrakischen Nekropolen-Komplex vor einer Überbauung durch private Investoren zu bewahren.
- Das freigelegte Mauerwerk in Wraza stammt aus einer aristokratischen Begräbnisstätte der spätklassischen und frühhellenistischen Epoche.
- Archäologen legten an einer antiken Thermenanlage bei Burgas eine Steininschrift aus der Regierungszeit des römischen Kaisers Trajan frei.
Aus dem Tagebuch des Redakteurs
Wenn moderne Stadtentwicklung auf antike Bausubstanz trifft, verwandelt der Erhalt vor Ort verborgene Lokalgeschichte in dauerhaftes Kulturgut für die Öffentlichkeit.
Wer beteiligt ist
Ministry of Culture of Bulgaria
bulgarisches Kulturministerium
will → den endgültigen Denkmalschutzstatus für die Fundstätte in Wraza erlassen und eine Einigung mit dem privaten Grundstückseigentümer erzielen
National Institute for Immovable Cultural Heritage (NINKN)
bulgarisches Institut für unbewegliches Kulturerbe
will → das offizielle Gutachten abschließen, das den Ruinen in Wraza den rechtlichen Schutzstatus verleiht
Regional History Museum – Vratsa
regionales historisches Museum Wraza
will → die freigelegten Steinbauten sichern, wissenschaftlich erforschen und für die Öffentlichkeit zugänglich machen
Regional History Museum – Burgas
regionales historisches Museum Burgas
will → die Ausgrabungen an den antiken Thermen von Aquae Calidae leiten und die neu entdeckte römische Inschrift auswerten
Nikolay Sharankov
Experte für antike Sprachen an der Universität Sofia
will → den eingemeißelten Text aus Aquae Calidae entziffern und seinen genauen Wortlaut bestimmen
Nikolay Ovcharov
Grabungsleiter an der Felsenstadt Perperikon
will → Funde römischer Militärpräsenz in der Höhensiedlung wissenschaftlich dokumentieren und der Öffentlichkeit vorstellen
Kurz gefasst
Bulgariens Denkmalschutzbehörden haben eingegriffen, um eine in der Stadt Wraza freigelegte antike Steinarchitektur vor privaten Bauarbeiten zu retten. Nach dem Willen der Experten sollen die Ruinen an Ort und Stelle erhalten bleiben, statt einem Neubau zu weichen. Damit steigen die Chancen, dass auf dem Areal ein dauerhaftes Freilichtmuseum entsteht. Sicher ist dieses Vorhaben jedoch noch nicht: Zuvor muss die Regierung den rechtlichen Schutzstatus förmlich festlegen und sich mit dem privaten Grundeigentümer einigen.
Bei Rettungsgrabungen am Grabhügel Mogilanska Mogila stießen Archäologen auf präzise gefügte Steinmauern und Treppenstufen, die zu einer rund 2.300 Jahre alten Begräbnisstätte der thrakischen Oberschicht gehören. Vermutungen mancher Beobachter, es könne sich um einen antiken Tempel oder gar einen königlichen Palast handeln, wiesen Historiker als bislang unbewiesene Theorie zurück. Nationale Gutachter raten nun dazu, das Mauerwerk zunächst provisorisch vor Witterungsschäden zu schützen und anschließend für Besucher herzurichten.
Weiter südlich und östlich brachten unterdessen zwei weitere Grabungen neue Zeugnisse der römischen Geschichte zum Vorschein. Nahe der Schwarzmeerstadt Burgas entziffern Fachleute derzeit eine rund 1.900 Jahre alte Inschrift aus der Kaiserzeit. Zugleich meldeten Archäologen aus der Felsenfestung Perperikon den Fund römischer Militärausrüstung, deren genaue Bestimmung vor einer anstehenden öffentlichen Vorstellung allerdings noch aussteht.
Wie es sich entwickelte
Monumentale Mauer neben Mogilanska Mogila freigelegt
Bei Arbeiten an einer alten Umfriedung neben dem bekannten Grabhügel Mogilanska Mogila stießen Archäologen im Zentrum von Wraza auf eine massive Trockenmauer. Zugleich legte das Team antike Feuerstellen mit Tonscherben und Tierknochen frei, was auf rituelle Zusammenkünfte in früherer Zeit hindeutet. Die Forscher stellten fest, dass das Mauerwerk älter ist als die oberen Erdschichten des Hügels, mahnten jedoch, dass die genaue Datierung und Funktion des Komplexes weiterer Untersuchungen bedürfen.
Denkmalschutzbeschluss fällt zusammen mit neuen Römerfunden
Die Pläne, die Ruinen direkt an ihrer Fundstelle zu sichern, gewannen behördlich rasch an Rückhalt. Am 10. September bescheinigte das Denkmalschutzinstitut NINKN dem Mauerwerk einen herausragenden historischen Wert und forderte nach Abschluss der Feldarbeiten einen gesetzlichen Schutzstatus. Tags darauf bestätigte der Kulturminister die Empfehlung einer Fachkommission, die Bauten unberührt auf dem Grundstück zu belassen, sie provisorisch vor Wettereinflüssen zu schützen und für den Publikumsverkehr herzurichten. Das Mauerwerk markiert den bislang unbekannten Rand einer aristokratischen Nekropole des antiken Regionalstamms der Triballer. Weiter östlich bei Burgas gaben Archäologen den Fund einer Inschrift aus der Regierungszeit von Kaiser Trajan bekannt, die Fachleute derzeit übersetzen. Am 15. September meldete der Grabungsleiter von Perperikon zudem den Fund römischer Legionärsausrüstung, deren Überprüfung jedoch erst bei einer anstehenden öffentlichen Präsentation erfolgen soll.
Wo die Dinge stehen
Am weitesten fortgeschritten ist die Lage in Wraza: Dort haben sich die staatlichen Gutachter dafür ausgesprochen, das antike Mauerwerk der Thraker an Ort und Stelle zu sichern, statt es für ein Bauprojekt abzutragen. Für den dauerhaften Erhalt stehen nun die Verabschiedung des rechtlichen Schutzregimes und eine Einigung mit dem privaten Grundeigentümer an. Während Historiker das Mauerwerk eindeutig einer Begräbnisstätte der Oberschicht zuordnen, bleibt die Spekulation über einen Palast wissenschaftlich unbewiesen.
Die jüngsten Funde aus der römischen Kaiserzeit werden unterdessen weiter untersucht. Die Echtheit der bei Burgas entdeckten Inschrift gilt als gesichert, doch arbeiten Forscher noch an der Entzifferung des verwitterten Textes. In Perperikon entscheidet sich die Bedeutung der gemeldeten römischen Militärausrüstung bei der für den 17. September angesetzten wissenschaftlichen Begutachtung vor der Öffentlichkeit.