Wir haben diese Behauptung geprüft: Stimmt es, dass
Amazon eine externe Zweckgesellschaft für Nvidia-Chips im Wert von rund 8 Milliarden Dollar plant, um das Entwertungsrisiko auf Investoren auszulagern?
Die von der Financial Times gemeldeten Vorgespräche führten bislang zu keinem Vertragsabschluss und wurden weder von Amazon noch von Nvidia bestätigt.
Amazon erwägt Milliarden-Auslagerung für KI-Chips
Der Cloud-Konzern prüft eine Zweckgesellschaft für Halbleiter im Wert von 8 Milliarden Dollar, um die rasanten Abschreibungen nicht in der eigenen Bilanz verbuchen zu müssen.
Das Wesentliche
Amazon prüft die Auslagerung von Nvidia-Grace-Blackwell-Prozessoren im Wert von rund 8 Milliarden Dollar in eine externe Zweckgesellschaft. Über ein Sale-and-Lease-Back-Verfahren in mindestens fünf US-Bundesstaaten will der Cloud-Konzern die KI-Halbleiter weiter betreiben, das Risiko des raschen Wertverlusts jedoch auf Investoren übertragen. Angesichts geplanter Investitionen von bis zu 220 Milliarden Dollar im Jahr 2026 würde der Schritt Amazons Cashflow entlasten, bleibt bislang aber unbestätigt.
Die Kernpunkte
- Amazon prüft die Übertragung moderner KI-Chips von Nvidia im Wert von rund 8 Milliarden Dollar in eine externe Zweckgesellschaft.
- Die geplante Transaktion basiert auf einem Sale-and-Lease-Back-Modell für mehr als ein Dutzend Rechenzentren in mindestens fünf US-Bundesstaaten.
- Externe Geldgeber könnten über festverzinsliche Titel Renditen erzielen und bis zu 10 Prozent Eigenkapital an der Gesellschaft halten.
- Für das Jahr 2026 prognostiziert Amazon Gesamtinvestitionen von bis zu 220 Milliarden Dollar.
- Weder Amazon noch Nvidia haben die Pläne bestätigt; formelle Vereinbarungen liegen bisher nicht vor.
Aus dem Tagebuch des Redakteurs
Wenn Rechentechnik schneller an Wert verliert als Fabrikhallen oder Maschinen, werden Technologiekonzerne versuchen, das Entwertungsrisiko auf externe Investoren abzuwälzen, anstatt die Abschreibungen in den eigenen Büchern zu tragen.
Wer beteiligt ist
Amazon
Cloud-Anbieter und Online-Händler
will → Will Rechenkapazitäten ausbauen und zugleich die Abschreibungen auf teure Hardware aus den Unternehmensbüchern heraushalten
Nvidia
Entwickler führender KI-Prozessoren
will → Will umfangreiche Lieferungen seiner Spitzenrechensysteme an die großen Cloud-Betreiber absichern
Institutionelle Investoren
Investmentfonds, Kreditgeber und Pensionsverwalter
will → Streben regelmäßige Zinserträge aus Schuldtiteln sowie eine Beteiligung von bis zu 10 Prozent an begehrter Rechenhardware an
Kurz gefasst
Tech-Konzerne tragen das wachsende Risiko, Rechenchips im Wert von zig Milliarden Dollar vorzuhalten, die oft schon nach wenigen Jahren veralten und damit die eigenen Barmittel belasten. Kommt der Plan zustande, würde Amazon ein neues Finanzierungsmodell für Cloud-Anbieter schaffen: Hochentwickelte Hardware wird nicht mehr gekauft, sondern angemietet, sodass sowohl die Anschaffungskosten als auch der rasante Wertverlust bei externen Geldgebern liegen.
Ein erfolgreicher Abschluss könnte der gesamten Branche für Künstliche Intelligenz als Vorbild dienen, um gewaltige Rechenzentren auszubauen, ohne die Verbindlichkeiten in den Bilanzen der Tech-Konzerne aufzutürmen.
Ob das Geschäft tatsächlich zustande kommt, ist allerdings offen. Die Gespräche befinden sich in einem frühen Sondierungsstadium, weder Amazon noch Nvidia haben die Pläne bestätigt, und verbindliche Verträge oder Preiskonditionen liegen bislang nicht vor.
Wie es sich entwickelte
Financial Times berichtet über Amazons Gespräche zur Auslagerung von KI-Chips
Amazon hat Sondierungsgespräche mit institutionellen Investoren über die Auslagerung von Nvidia-Grace-Blackwell-Prozessoren im Wert von rund 8 Milliarden Dollar in eine externe Finanzstruktur aufgenommen, wie die Financial Times am 2. Oktober 2026 berichtete. Vorgesehen ist ein Sale-and-Lease-Back-Modell für Standorte in mindestens fünf US-Bundesstaaten. Dadurch könnte Amazon Web Services die Rechensysteme operativ nutzen, ohne die hohen Hardwarekosten in der Konzernbilanz ausweisen zu müssen.
Markt analysiert Bilanzierungsstrategie – Konzerne hüllen sich in Schweigen
Der Bericht stieß in den internationalen Medien und an den Finanzmärkten unmittelbar auf breite Resonanz. Beobachter debattierten, ob der Vorstoß eine zukunftsweisende Finanzinnovation darstellt oder vor allem der Absicherung gegen den drohenden Wertverfall moderner Hardware dient. Sowohl Amazon als auch Nvidia lehnten eine Stellungnahme ab. Die Transaktion blieb damit unbestätigt und behielt bis zum 3. Oktober 2026 den Status eines unverbindlichen Konzepts.
Wo die Dinge stehen
Die Verhandlungen verharren mit Stand vom 3. Oktober 2026 im Sondierungsstadium. Weder liegen offizielle Pflichtmitteilungen vor, noch wurden verbindliche Verträge mit Investoren oder konkrete Kreditkonditionen vereinbart. Marktbeobachter warten nun auf die kommenden Quartalsberichte, die zeigen müssen, ob solche außerbilanziellen Konstruktionen tatsächlich zu einem gängigen Modell für die Finanzierung von KI-Infrastruktur werden.