Peer-reviewed study published in Nature Astronomy reveals highly eccentric, misaligned binary assembled via close core encounter.
ALMA-Observatorium beobachtet gravitative Koppelung junger Riesensterne in 5.300 Lichtjahren Entfernung
Radioaufnahmen belegen das seltene Einfangen zweier massereicher Sonnen im Vorbeiflug statt eines gemeinsamen Wachstums in einer Gasscheibe.
Das Wesentliche
Mit dem ALMA-Radioteleskopnetz haben Astronomen beobachtet, wie sich im System IRAS 07299−1651 zwei junge Riesensterne nach einer nahen Begegnung vor rund 60 Jahren gegenseitig in eine gemeinsame Umlaufbahn zogen. Die Entdeckung belegt, dass schwere Sterne unabhängig entstehen und dynamisch zu Paaren finden können, was die Lehrmeinung einer zwingenden Abspaltung aus einer gemeinsamen Scheibe widerlegt, während die dauerhafte Zukunft des Paares noch ungewiss ist.
Die Kernpunkte
- IRAS 07299−1651 befindet sich rund 5.300 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Achterdeck des Schiffs.
- Die beiden neugeborenen Sterne passierten vor etwa 60 Jahren ihren Punkt der engsten Annäherung.
- Forscher verfolgten das Sternenpaar über acht Jahre hinweg mit dem Radioteleskopnetz ALMA.
- Beide Protosterne besitzen jeweils mehr als die achtfache Masse unserer Sonne.
Aus dem Tagebuch des Redakteurs
Die direkte Beobachtung des dynamischen Einfangs beweist, dass Chaos und zufällige Begegnungen kosmische Strukturen ebenso wirksam formen wie das geordnete Verdichten rotierender Gasscheiben.
Wer beteiligt ist
Yao Wang
Erstautor der Studie und Astrophysiker an der Jiaotong-Universität Shanghai
will → Die dreidimensionale Geometrie von IRAS 07299−1651 kartieren, um die Entstehung des Paares aufzudecken
Yichen Zhang
Leiter des Forschungsteams und Astrophysiker an der Jiaotong-Universität Shanghai
will → Die mehrjährige Beobachtungskampagne koordinieren, die das Sternenpaar über mehrere Observatorien hinweg überwacht
Jonathan C. Tan
Koautor der Studie und Astrophysiker an der University of Virginia sowie der Technischen Hochschule Chalmers
will → Die physikalischen Kräfte modellieren, die die Entstehung massereicher Sterne und orbitales Chaos in dichten Gaswolken steuern
ALMA-Observatorium
Von einer internationalen Partnerschaft betriebenes Hochgebirgs-Radioteleskopnetz in Chile
will → Hochauflösende Millimeterwellen-Aufnahmen von Gasbewegungen und Sternpositionen liefern
Nature Astronomy
Fachzeitschrift mit Peer-Review-Verfahren
will → Die Studie begutachten und veröffentlichen, die den dynamischen Einfangmechanismus bestätigt
Kurz gefasst
Astronomen haben erstmals den direkten Beweis erbracht, dass massereiche Doppelsternsysteme durch chaotische gravitative Einfangprozesse entstehen können und sich nicht zwingend gemeinsam aus einer einzelnen rotierenden Wolke bilden müssen. Die Beobachtungen widerlegen die bisherige Lehrmeinung, nach der Riesensterne aus einer geteilten Gasscheibe hervorgehen müssen, und belegen, dass unabhängig gewachsene stellare Keime im freien Flug kollidieren und sich aneinander binden können.
Fortgesetzte Teleskopbeobachtungen müssen nun klären, ob sich die beiden Sonnen auf eine stabile gemeinsame Umlaufbahn einpendeln oder sich per Katapulteffekt wieder in den interstellaren Raum abstoßen.
Das langfristige Überleben des Paares bleibt ungewiss, weil die Reibung durch das umgebende Gas dem System rechtzeitig ausreichend Bewegungsenergie entziehen muss, bevor orbitale Instabilitäten das junge Duo auseinanderreißen.
Wie es sich entwickelte
Nature Astronomy veröffentlicht ersten Nachweis über gravitativ eingefangene Riesensterne
Der Durchbruch wurde am 8. September 2026 publik, als die Fachzeitschrift Nature Astronomy eine von Yao Wang geleitete Studie veröffentlichte. Demnach belegt eine achtjährige Präzisionsüberwachung, dass das Sternenpaar IRAS 07299−1651 mitten in einem dynamischen Einfangprozess ertappt wurde. Eine zeitgleiche Mitteilung des ALMA-Observatoriums bestätigte, dass sich die beiden Sterne nicht aus einer gemeinsamen Scheibe verdichtet haben, womit ein alternativer Entstehungsweg für kosmische Riesensonne dokumentiert ist.
Fachwelt analysiert Belege für stellare Begegnung vor 60 Jahren
Internationale Wissenschaftsmedien griffen die Entdeckung auf und hoben Berechnungen hervor, nach denen sich die beiden Sterne vor rund sechs Jahrzehnten bei ihrer größten gegenseitigen Annäherung trafen. Die Berichte betonen, dass beide Sterne trotz enormer Gravitationskräfte ihre Akkretionsscheiben behielten. Astrophysiker werten diesen Befund als Anlass, die Stabilität protoplanetarer Scheiben in dicht besiedelten Sternentstehungsgebieten neu zu bewerten.
Wo die Dinge stehen
Die begutachteten Forschungsergebnisse bestätigen, dass der gravitative Einfang ein realer Mechanismus bei der Bildung massereicher Doppelsterne ist. Schwere Sterne können demnach unabhängig voneinander entstehen und sich erst nachträglich aneinander binden.
Ob das System IRAS 07299−1651 dauerhaft stabil bleibt, ist offen. Erst weitere Messungen im Radio- und Infrarotbereich werden zeigen, ob Gasreibung die Bahn kreisförmig stabilisiert oder ob die dynamische Unruhe das Paar wieder auseinanderdriften lässt.